Live aus dem Rantgebiet

Die Mär des weißen Ritters

“Es war einmal ein edler weißer Ritter, welcher seine holde Maid bewahren will, angesichts jeglicher Widrigkeiten.” So oder ähnlich könnte ein Märchen beginnen.

Es gibt auch in der heutigen Zeit Menschen, welche glauben, als Ritter in strahlender Rüstung, ihrer angebeteten Maid zu Hilfe eilen zu müssen. Diese modernen weißen Ritter schlagen Schlachten, ungeachtet jeglicher Vernunft, nur um ihrem selbst auferlegten hehren Ziel zu folgen.

Überall im Internet finden wir sie, stets auf der Lauer liegend, um ihre Angebetete vor Unheil zu bewahren. Sie lassen keine Kritik an ihr zu und wissen stets andere zu belehren. Sie ziehen teils uninformiert in die Schlacht, ohne zu wissen, was wirklich vor sich geht und ob sie ein wirklich hehres Ziel verfolgen. Sie setzen stets voraus, dass sich jeder regelmäßig über die noch so kleinste Information zu ihrer Angebeteten informiert hat und man sie nur auf Grundlage dieser Nichtigkeiten kritisiert oder auf diese reduziert.

Immer wieder werden Worte oder Phrasen in einen negativen Kontext gerückt, nur damit man beweisen kann, dass das virtuelle Gegenüber die Ausgeburt des Bösen ist. Es gibt Menschen, welche Phrasen wie “man wolle nicht mehr fett sein” direkt als Bodyshaming abtun. Und wo wir gerade dabei sind: Wie kann es sein, dass man Ärzten, welche Probleme von massivem Übergewicht ansprechen, direkt Fehler vorwirft, nur weil sie wissenschaftliche Fakten nennen? Hier ein sehr prominentes Beispiel dafür.

Aber das Schlimmste ist, dass fast nie der Kontext von Aussagen berücksichtigt wird. So treten die weißen Ritter immer dann in Erscheinung, wenn eine Diskussion bereits im Gange ist, haben aber nicht einmal die Ausgangsposition der Diskussion gelesen, wodurch ihnen selbst der Kontext fehlt. Darauf angesprochen verfallen sie stets in eine Schockstarre und beharren auf ihren Argumenten, welche nichts mit dem ursprünglichen Kontext zu tun haben. Sogar noch schlimmer: Sie bündeln mehrere Aussagen, von welchen eine belanglose vielleicht kritikwürdig wäre, nur um die restlichen Aussagen mitdiskreditieren zu wollen.

Oft folgen auf solche Diskussionen Blockierungen, Ausgrenzungen und man wird direkt in Schubladen gesteckt. Wir würden behaupten, dass die meisten, die immer davon sprechen, dass man in einen Diskurs gehen muss, gar kein wirkliches Interesse an Diskursen haben, sondern nur lautstark ihren Senf dazugeben wollen. Sie kommen auch meist nicht allein, nein, sie rotten sich zu Rudeln zusammen und versuchen mit geballter verbaler Gewalt, “das Böse” zu bannen und ihrer holden Maid den Rücken zu stärken. Ihr seid nicht die Ritter in glänzender Rüstung, für die ihr euch haltet. Nein, ihr seid Heuchler, welche sich von ihrem Handeln lediglich versprechen, im Ansehen bei ihrer selbst erwählten holden Maid zu steigen. Ein einfach nur widerliches Geifern nach Aufmerksamkeit.

Können die Menschen nicht mehr normal diskutieren und dabei Meinungen austauschen, ohne direkt Feindbilder zu schaffen? Es ist erschreckend, wie sehr dadurch teils wirklich versucht wird, die Meinungsfreiheit zu beschneiden, da man dann andere Meinungen nicht mehr zulässt. Ich rede hier nicht von der Unterdrückung der Meinungsfreiheit oder von Zensur, wie sie immer wieder von Rechten propagiert wird, nur weil sie Kritik wegen haltloser und menschenverachtender Aussagen bekommen.

Zum Schluss möchten wir noch etwas aus einem Song der Band “The Ink Spots” zitieren: “I don’t want to set the world on fire, I just want to start a flame in your heart”.

Das Internet ist für uns alle Neuland

Für alle? Nein. Es gibt für alles Ausnahmen. Aber es gibt auch Menschen, für die wird das Internet immer ein Ort bleiben, an dem sie jeden Tag neue Dinge entdecken, weil sie miesepetrig mit Alzheimer ähnlichen Symptomen durchs Internet surfen und vergessen, was sie eigentlich selbst von sich geben. Aber wen “kümmerlets” schon.

Seit einigen Wochen tummeln sich jetzt die bösen Buben durch die weite Welt der Blogs und verbreiten frohlockende Botschaften.
Fälschlicherweise auch als virtuelle Schlägertrupps betitelt, ziehen sie von Blog zu Blog und machen das, was ihr Blogger euch erhofft. Lesen.

Dabei werden wir nicht nur mit Humbug und Firlefanz konfrontiert, sondern stoßen auch auf den ein oder anderen edlen Ritter, der den eifrigen Spießgesellen auf die Pfoten haut und sich am großen Kessel der Weisheit bereichern möchte.

Und das Ganze nur, weil es sich die bösen Buben gewagt haben, am 1. April ihre Hilfe anzubieten. Da wird nicht nur der Hund in der Pfanne verrückt, sondern auch der Inhalt direkt #rechtssicher_gespeichert. Ein Schelm, wer denkt, dass es sich um einen Aprilscherz handelt. Das ist so harter Tobak, dass selbst der uhligste Blogger dabei müde wird. Aber nein, wir wollen euch nicht müde machen. Ehrlich nicht.

Während die einen mittlerweile wohl eingeschlafen sind, sitzt der Adel flanierend vor der Leinwand und genießt die Show. Dabei sind wir noch in der Pre-Show und der Vorhang hat sich noch gar nicht für den Hauptfilm geöffnet.

Von der RANTfigur zum bRANTmeister

Blogger müssen alle ihre Brötchen verdienen. Deshalb wird Rantgebiet in Zukunft monetarisiert. Wie es sich aber für uns gehört, werden wir selbstverständlich keine Banner einbinden oder euch den nächsten HOLY-Deal andrehen. Nein, wir bieten in Zukunft Blogger-Beratung an.

Du kennst es doch auch! Dein Einsatz beim Bloggen wird von niemandem gewürdigt? Wir schaffen Abhilfe. Mit unseren Masterclasses ist dein Blog stets on the Edge. Du wirst nie wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Unsere Webinare umfassen folgende Masterclasses

  • Don’t become an Erklärbär!
  • Gehe ich zu einem Kampf mit den virtuellen Schlägertrupps mit einem Blog oder doch lieber mit Gehirn?
  • Bloggen ohne Burnout und KI
  • Ideenfindung ohne die eigene Echo-Kammer (Forum, Webringe, und andere Safe Spaces)
  • Kreiswichsen für Anfänger mit Anleitung zum gegenseitigen Pushen der Besucherzahlen durch RANTposts

Kein aufwendiges Posten deiner Links in Foren, keine nutzlosen Links zu anderen Web- und Blogringen mehr, nur für drei bis vier Leser mehr am Tag, während der Großteil noch nie von der Qualität deiner Inhalte gehört hat. Mit uns spielst du zukünftig in der Oberliga der Blogger-Szene. Die Menschen werden in Zukunft fragen, ob dein Blog nicht schon immer auf einer Stufe mit Bild, Stern und ntv als Newsquelle stand.

Als besonderes Schnupper-Angebot für die ersten zehn Teilnehmer, bieten wir für einen leistungsgerechten Aufpreis die Option an, dass wir nie wieder über sie schreiben. Teilnehmer, die eine besonders intensive Beratung benötigen, werden von uns in einer extra Sektion auf der Website als Gold-Partner verlinkt.

Sichert euch auch jetzt das exklusive Schleuderangebot für Letztwähler (Ü50-Blogger) und erhaltet vorab euer Einsteiger-Kit, um rechtssicheres Archivmaterial erstellen zu können.

Dieses Angebot gilt nur am heutigen Tage zum Einsteigerpreis von €2.499,95 und nur solange der Vorrat reicht.

Update #1

Der Andrang hat uns wirklich überrascht und die Kurse sind bereits für Jahre voraus ausgebucht. Vielen Dank für euer Vertrauen.

RANTgebiet ist wie eine Swingerparty - alles kann, nichts muss

Heinrich schrieb über uns:

Man soll den Autoren nun Stoff und Blogger liefern

Das klingt gut. Ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Unsere Worte waren:

 Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass euch etwas oder jemand nervt, ihr dies aber nicht so unverblümt ins Internet schreiben wollt?

Damit wollen wir euch eine Möglichkeit bieten, eure Gedanken ins Internet zu schreiben. Natürlich nur, solange es im kritischen, aber außerhalb des beleidigenden Spektrums bleibt. Eine Möglichkeit zu bekommen, bedeutet nicht, dass wir das nicht auch ohne euch hinbekommen.

Allerdings sind wir nicht in jeder Bubble vertreten und bekommen manche Aufreger einfach gar nicht mit. Deshalb nehmen wir auch gerne Links entgegen, schreibt uns dazu, was euch dazu aufregt und wir schreiben dann eventuell auch selbst etwas dazu.

Die Autoren schimpfen gerne und völlig zurecht auf KI-Blogs, wo aber liegt nun der Unterschied, ob ich KI oder andere Autoren für mich arbeiten lasse?

Der Unterschied liegt darin, dass es um echte Inspiration und nicht um maschinell erstellte und zufallsbedingte Phrasen geht. Das überlassen wir gerne anderen.

In eigener Sache: Rantet mit uns!

Habt ihr auch manchmal das Gefühl, dass euch etwas oder jemand nervt, ihr dies aber nicht so unverblümt ins Internet schreiben wollt?

Dann schreibt uns. Unsere E-Mail-Adresse findet ihr, wie immer, in unserem Feed.

Schickt uns gerne “schöne” Blogposts oder schickt uns euren Rant. Schickt auch gerne einen Namen, unter dem ihr euren Text veröffentlicht haben wollt. Gerne direkt als Markdown.

Aber vergesst nicht: Unser Archivierungserklärbär wird von allem ein rechtssicheres Backup machen. Wir nehmen uns das Recht heraus, in Absprache mit euch, rechtskritische Texte so anzupassen, dass sie ins Internet passen.

Was wir nicht öffnen oder anklicken werden, sind proprietäre Dokumentenformate wie .docx oder Links zu externen Diensten wie Google Docs, da sie Daten leaken könnten.

Lass das Kribblen bleiben!

Einer unserer Erklärbären hat heute einen gar wunderbaren Kommentar abgegeben:

Hallo Uwe, das ist ein fantastischer Artikel. Den habe ich sehr gern gelesen.

Also dachten wir uns: “welch fantastisches Meisterwerk müssen wir jetzt lesen?”
Am Ende fragten wir uns, was an dem Text so fantastisch war. Waren es vielleicht diese fantastischen Texte im Bild, wie “Echte Urasshen”, “Verylaich mit anderen”, “Fehlenge Bastellen”, “Velorener Ursrung (Algotthrishm statt Herz)”?
Oder gar fantastische Fakten wie “Zurück zum Ursruhen”, “Schreiben ohmer Pubilium”, “Qualiäit > Qantität”, “Reauution egal/zu wichtit”, “Schreiben = schelite Arbeit”, “3+ Punite? Du bist nicht allen.”.
Da stellt sich am Ende wirklich die Frage: “Aufhören oider weitmachen?” Wir machen weiter, weil: “Manzmim is un Projekt beendet. Oder brauhe eine neue Form. Weiterenveisckung. Lass das Kribblen bleiben.”

Entschuldigt bitte diesen geistigen Unsinn, aber wir zitieren hier nur die wichtigsten Fakten aus dem Artikel, zusammengefasst in einer wunderbaren Grafik. Erstellt hat sie bestimmt der Autor in mühevoller Kleinarbeit, während er sich von seinem Blogger-Burnout erholt.

Dieser Burnout macht sich laut seiner KI, denn selbst geschrieben hat er den Text schließlich nicht, so sehr er auch versucht, es zu verschleiern, durch fehlende Resonanz bemerkbar. Und weil er sich zu sehr mit anderen vergleicht. Außerdem glaubt die KI, dass er gleichzeitig Autor, Grafiker, SEO-Experte, Social-Media-Manager, Techniker und Marketingstratege sein müsse.

Stimmt. Das ist so viel Arbeit, dass er natürlich Google-Werbung auf seinem Blog hat. Da ist Uwe nach dem Bloggen auch damit beschäftigt, Platz auf seinem Konto zu schaffen, für die Fantastillionen an Geld, die diese Banner erwirtschaften. Und damit mehr Leser kommen, muss man mehr in seinen Blog schreiben. Aber das geht nicht, weil er ein Blogger-Burnout hat. Ein Teufelskreis.

Was aber hilft da? Natürlich gibt es bereits einen Blogpost zum Slow-Blogging aus unserem Lieblingsforum. Natürlich ist auch dieser wieder KI-generiert. Schreibt dort überhaupt noch irgendjemand selbst oder sind alle damit beschäftigt, unsere Identitäten aufzudecken? Prioritäten. So wichtig.

Niemand von uns im Rantgebiet wünscht einem anderen Menschen psychische Krankheiten. Aber hier ein wirklich gut gemeinter Rat von uns: Wenn ihr nichts zu sagen oder zu schreiben habt, lasst es doch bleiben. Quält euch nicht. Und vor allem quält uns nicht mit eurem degenerierten KI-Abfall im Internet.

Während wir das hier verfassen, schreibt ausgerechnet der nächste Erklärbär einen Kommentar, dass er auch bereits einen Burnout hatte. So liest sich sein Blog auch.

Update #1:

Da Uwe seine Fehler natürlich nicht öffentlich eingesteht, still und heimlich sein Bild ausgetauscht hat und wir schließlich rechtssicher archivieren, gibt es für die Leser die erste Version des Artikels hier zum Anschauen.

Aber es ist natürlich schön blöd, wenn man ein degeneriertes KI-Bild durch ein anderes KI-Bild austauscht und man an “Erschöpirung und Antriebslosigkeit” leidet, dann ist der “Lelstungsdruck” von außen unangenehm hoch. Mach gerne weiter, wir haben unseren Spaß und genieß dein “vorrbeugen”.

Wie man alles outsourced und trotzdem 'selbst' macht

Wow. Es ist Dienstag und auf einmal war es da: ein mutiges, bahnbrechendes Manifest aus den Tiefen der digitalen Selbstreflexion. Wirklich selten hat jemand so konsequent nichts gesagt und es dabei geschafft, sich selbst dafür auf die Schulter zu klopfen.

Wir nehmen das mal auseinander:

Es hat lange gedauert, bis ich mich mit der KI angefreundet habe.

Ahja. Die klassische Heldenreise. Erst Skepsis, dann Akzeptanz, dann siegt doch Nutzung von exakt den zwei bekanntesten Tools, die mittlerweile wirklich jeder benutzt. ChatGPT und Gemini. Mutig. Wirklich mutig. Fast so, als hätte jemand gesagt: “Ich habe lange gebraucht, um mich mit dem Internet anzufreunden. Jetzt nutze ich Google.”

Ich nutze die KI zur Ideenfindung und zum Coden.

Ach was. Wirklich? Ideenfindung UND Coden? Krass. Also im Prinzip für alles, was schwierig ist. Das ist ja, als würde jemand sagen: “Ich benutze ein Messer zum Schneiden.”

Warum sollte ich sie nicht nutzen, wenn sie meine Arbeit noch besser macht?

Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht weil dieser Satz ungefähr die argumentative Tiefe eines Glückskekses hat. Jeder ist seines Glückes KI. Oder wie war das?

Ich möchte aber betonen, dass ich keine Beitragstexte generieren lasse.

Ahhh, da ist sie. Die moralische Reinwaschung. “Ich benutze KI für alles, aber NICHT für Texte!” Das ist wie wenn man sagt: “Ich koche komplett selbst. Aber schneiden, würzen und abschmecken macht jemand anders.”

Und dann noch dieses verzweifelte Festhalten am eigenen Schreibstil, während gleichzeitig zugegeben wird, dass man “ohne KI oft textlich aufgeschmissen” wäre. Ja, klingt absolut nach einem unverwechselbaren Stil. So unverwechselbar, dass ihn sonst keiner hat. Niemals.

Und dann war da ja noch der Teil mit dem Coding…

Ich habe die Navigation, den Slider und den Textbereich mithilfe einer KI erstellen lassen.

Also am Ende für die komplette Seite. Aber keine Sorge, denn der Blogtext ist handgeschrieben, nur die Idee dazu kommt von der KI. Prioritäten wurden auf jeden Fall gesetzt.

Mit den richtigen Prompts funktioniert es auch ganz gut.

Ach, wirklich? Man muss einem Programm sagen, was es tun soll? Kennt man vom Navi, nur dass das Programm einem dort sagt, was man tun soll.
“Bitte jetzt links abbiegen.”

Und natürlich der obligatorische Satz am Ende: “Die KI ist nicht fehlerfrei.”
Wow. Danke. Wirklich. Als Nächstes heißt es noch das Wasser nass ist.

Fassen wir zusammen:
“Ich habe KI entdeckt”
“Ich benutze KI”
“Ich rechtfertige, dass ich KI benutze”
“Ich bin trotzdem noch ich. Versprochen!”

Unterm Strich ist das ein verzweifelter Balanceakt zwischen “Ich nutze die KI für fast alles” und “Bitte denkt trotzdem, dass ich das hier alles alleine kann.”

Eine Tüte Anstand und ein Klick auf 'Speichern unter'

Es ist schon bemerkenswert: Der Erklärbär widmet uns “Trollen” gefühlt 600 Wörter, um zu erklären, dass wir ihm eigentlich wumpe sind und er keine Energie für uns hat. Das ist ungefähr so glaubwürdig wie ein Fasten-Tagebuch, das ausschließlich aus detaillierten Beschreibungen von Schwarzwälder Kirschtorten besteht.

Aber wenn wir schon bei der “Energie” und den Fakten sind, erlauben wir uns drei kleine Anmerkungen zu seinem Text:

Er schreibt, er hätte unseren Blog “rechtssicher gespeichert”. Das klingt wahnsinnig professionell, ist technisch gesehen aber eher ambitioniert. Ein einfacher Screenshot oder das Speichern einer HTML-Seite reicht vor Gericht kaum aus, da digitale Inhalte manipulierbar sind wie Knetgummi. Ohne qualifizierte Zeitstempel, kryptografische Signaturen oder einen Notar, der daneben saß, hat er lediglich ein digitales Souvenir erstellt. Aber der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge (oder in diesem Fall: Dateien).

Er wirft uns vor, wir würden “irgendwas von Schlägertrupps plappern” und rät uns zu einer “Tüte Anstand”. Das ist besonders charmant, wenn man bedenkt, dass er die Quelle zu dieser ziemlich exzentrischen Wortwahl sogar noch selbst verlinkt hat. Es ist schon eine rhetorische Meisterleistung, uns vorzuwerfen, wir würden die Begriffe benutzen, die uns quasi auf dem Silbertablett serviert wurden. Wer den Geist aus der Flasche lässt, sollte sich nicht wundern, wenn er danach über die Dekoration meckert.

Sein Appell, man möge sich “eine Tüte Anstand kaufen”, wirkt ein wenig deplatziert, wenn er im selben Absatz steht wie die rhetorische Glanzleistung: “Wie sehr hat man euch denn ins Gehirn geschissen?” Wenn das sein “ehrliches Herz” ist, von dem er schreibt, möchte ich ehrlich gesagt nicht wissen, wie sein Puls aussieht, wenn er mal wirklich die Beherrschung verliert.

Wenn er das nächste Mal beschließt, jemanden zu ignorieren, dann sollte er es auch einfach machen. Denn diese Form der “Nicht-Auseinandersetzung” wirkt eher wie ein verzweifelter Ruf nach Bestätigung.

Der vergebene Widerstand gegen die Übermacht der Schnappatmung

Ach herrje, schon wieder eine Tragödie des Internets. Irgendwo hat jemand “alter weißer Mann” geschrieben und es öffnet sich die Büchse der Pandora. Alle Blogs brennen, die Demokratie liegt röchelnd im Straßengraben und irgendwo sitzt ein Blogger im Rentenalter mit einer Tasse Kaffee vor seiner Tastatur und fragt sich, wie die Welt nur so grausam werden konnte.

Man muss sich das einmal vor Augen führen: Da schreibt jemand öffentlich im Internet. Ein Ort, den es bereits seit ungefähr dreißig Jahren gibt und sogar dafür bekannt ist, dass dort Menschen widersprechen. Und dann passiert exakt das. Empörung tut sich auf.

Aber dieses Mal ist alles anders. Es sind “verbale Schlägertrupps”. Man sieht sie förmlich vor sich stehen. Digitale Einsatzkommandos, die rund um die Uhr durchs Netz patrouillieren, bis sie irgendwo genau diesen einen Blog finden, der es gewagt hat, zu existieren. Und dann springen diese “Schlägertrupps” aus ihren Browser-Tabs und zeigen dramatisch mit dem Finger und schreien laut: “Alter weißer Mann!”.

Ende. Vorhang. Weltuntergang.

Besonders berührend ist dabei die Vorstellung, dass Kritik offenbar nur dann legitim ist, wenn sie so höflich formuliert wird, dass sich garantiert niemand angesprochen fühlt, und wenn doch, dem Blogger die Freudentränen in den Augen stehen. Oder viel besser: Man sendet Triggerwarnungen und einen Blumenstrauß als Entschuldigung im Voraus. Alles andere wäre einfach nur ekelhaft.

Und dann ist da noch dieser Punkt mit der Anonymität im Internet. Wie können Menschen es wagen, anonym im Internet zu schreiben? Ein Skandal! Früher war alles besser. Da standen Menschen mit ihrem vollständigen Namen, Adresse, Kreditkartennummer und Bildern in jeder Kommentarspalte. Blogs und deren Kommentare waren das Woodstock-Festival des Internets.

Aber sind wir mal ehrlich: Das Netz ist einfach überfüllt mit nervigen, polemischen und oft auch ziemlich dummen Aussagen. Das war es schon immer und wird es auch immer sein. Wer öffentlich schreibt, steht mittendrin. Das ist vor allem eins: das Internet.

Klar, man kann natürlich auch so tun, als hätte eine einzelne Phrase eure heile Bloggerwelt zerstört. Das klingt viel heroischer. Der tapfere alte Tastaturcowboy gegen die wilde Horde. Es ist wie David gegen Goliath, nur dass David im Internet meist einfach irgendein gelangweilter Mensch mit einer Tastatur ist, der zwei Wörter ins Internet tippt.

Zusammengefasst: Das Problem, meine lieben Blogger, in einem Netzdiskurs ist nicht, dass Menschen anonym darüber sprechen. Das Problem ist, dass zu viele Menschen glauben, Kritik sei automatisch ein persönlicher Angriff. Denn wer bloggt, stellt seine Gedanken in die Öffentlichkeit. Öffentlichkeit bedeutet eben auch, dass andere antworten dürfen.

Das ist aber noch lange kein “Schlägertrupp”, sondern ein Diskurs. Man kann darüber klagen. Man kann darüber bloggen. Oder man kann akzeptieren, dass Öffentlichkeit manchmal einfach genau so funktioniert.

Vom dramatischen Abgang zum Frühstücks-Comeback

Es ist schon ein faszinierendes Schauspiel digitaler Selbstinszenierung, das hier geboten wird. Da wird der “Fluchtmodus” aktiviert und der Blog mit großem Pathos offline gestellt, nur um keine 24 Stunden später, also nach einer Mütze voll Schlaf und der ersten Tasse Kaffee, triumphal wieder auf der Bildfläche zu erscheinen. Eine “Flucht”, die deutlich kürzer dauerte, als ein durchschnittlicher grippaler Infekt, als heldenhaften Widerstand gegen die dunklen Mächte des Internets zu verkaufen, erfordert schon ein beachtliches Maß an Main-Character-Syndrome.

Besonders unterhaltsam ist die verbale Akrobatik, mit der er versucht, gleichzeitig das Opfer und den unbezwingbaren Fels in der Brandung zu mimen. Unser Erklärbar Nr. 2 betont zwar wortreich, wie sehr ihm die Meinung der “Lauten und Unverschämten” am Allerwertesten vorbeigeht, widmet diesen “Unbekannten” dann aber doch fast den gesamten Text. Es ist die klassische Paradoxie der Bloggeria: Man schreibt einen wütenden Aufsatz darüber, wie wenig man die Kritik beachtet, während man gleichzeitig eine namentliche Dankesliste für die eigene Echokammer (hallo Martin, hallo Daniel) führt. Wer so lautstark verkündet, kein “Fishing for Compliments” zu betreiben, während er die Netze für den nächsten Fang schon wieder auswirft, hat die Dynamik seiner eigenen Außenwirkung offenbar noch nicht ganz durchschaut.

Nach fast zwei Jahrzehnten im Netz sollte man eigentlich eine gewisse Souveränität erwarten. Stattdessen erleben wir hier eine digitale Schnappatmung, die in einer impulsiven Löschaktion gipfelt, nur um kurz darauf die Rückkehr als moralischen Sieg zu feiern, vor allem, nachdem man sich in der eigenen Forenblase so richtig schön ausgeheult und ganz viel Bestätigung geholt hat. Dass jede kritische Nachfrage sofort als bösartiges “Zerlegen” umgedeutet wird, dient dabei als bequemes Schutzschild. So muss man sich inhaltlich nicht mit Gegenwind auseinandersetzen, sondern kann sich gemütlich in der Rolle des missverstandenen Individualisten einrichten, der “keine Maschine” ist, aber die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie erschreckend routiniert bedient.

Am Ende bleibt der Eindruck eines gut choreografierten Wutanfalls. Die “Pause”, die angeblich nötig war, um Druck aus dem Kopf zu nehmen, entpuppt sich als bloßes Luftholen für die nächste polemische Breitseite. Es scheint fast so, als bräuchte unser Erklärbär den Konflikt, um überhaupt noch einen Grund für das 19. Jahr Blog-Bestehen zu finden. Man darf gespannt sein, ob das nächste “Exil” wenigstens bis zum Abendessen hält oder ob er sich endlich psychologische Hilfe für seinen psychischen Knacks holt und seine Pause für etwas Positives nutzt.