So wenig Arsch in der Hose
Ist das nicht schön? Jonathan Guggenberger wünscht sich in der TAZ, dass es wieder mehr Verrisse und faktenbasierte Kritiken in den Feuilletons, dafür aber weniger faktenfreie Clickbait-Schreiereien gibt.
Selbstbewusste, elegant geschriebene, mit unerwarteten Thesen. Nur so können wir uns gegen unsere gut klickenden Todfeinde behaupten.
Stimmt. Aber was macht die selbst ernannte Blog-Elite?
Die schreibt nicht etwa direkt über die Themen, die sie nerven, sondern versucht schwammig, um den heißen Brei zu reden:
Noch eine Lektion über Menschen gelernt und welche (niveaulosen) Formen es annehmen kann. Und das nicht einmal in den asozialen Medien, sondern auf einem eigenen, hüstel, Blog. Einige Mitmenschen sind ernsthaft von harmlosen Foren, Blogparaden, KI-Themen, Outings zu Krankheiten im Fediverse massiv getriggert. Da bekommt man fast schon Mitleid. Wie traurig und langweilig muss das eigene Leben doch sein, um Zeit in solch ein Werk zu investieren? Ich kann verstehen, dass einen gewisse Dinge auf Blogs nicht interessieren. Dann geht doch einfach weiter. Alles andere ist, sorry, Kindergarten Deluxe.
Wer damit wohl gemeint ist? Das verrät uns der Autor natürlich niemals freiwillig, sondern versteckt es hinter nicht-öffentlichen Posts auf Mastodon:
Wie traurig muss dass eigene Vegetieren sein, wie viel Langeweile muss man haben, um einen solchen Blog aufzusetzen? Natürlich anonym, Arsch in der Hose ist Fehlanzeige.
Sollte der Betreiber unter meinen Followern sein, entfolge mich, blocke mich.
rantgebiet.de
Natürlich müssen wir nicht unter deinen Followern sein, aber alles hinter eurem Tellerrand, also alles, was ihr euch freiwillig ausblendet, existiert weiterhin.
Aber eine kurze Anmerkung für dich, lieber Herr Tommi: Dafür, dass du deine KI für nahezu alles auf deinem Blog verwendest, könntest du sie vielleicht auch dazu ermuntern, deine Rechtschreibung und Grammatik in deinen Mastodon-Posts zu kontrollieren. Es heißt nämlich “das eigene Vegetieren” (“das” statt “dass”), “entfolge mir” statt “entfolge mich” und “blockiere” statt “blocke”.
Glücklicherweise wirft er uns vor, keinen Arsch in der Hose zu haben. Gut, dann schreib doch dazu, wen du meinst, wenn du jemanden angreifst. Es muss ja nicht die Wohnanschrift des Empfängers sein. Es reicht ja schon, welche Inhalte du meinst. Dann wissen auch deine Leser Bescheid, die dir 20 Sekunden nach dem Teilen des Links in deinem Lieblingsforum schon ein Herzchen dranklatschen und den Artikel nur überflogen haben.
Das ist dann wohl der Punkt, den Jonathan im TAZ-Artikel anspricht, und er gibt dir sogar noch einen kostenfreien Tipp für mehr Leser dazu:
Jeder, der Plattform-Algorithmen aus eigener Erfahrung und nicht nur aus Fortbildungsseminaren kennt, weiß, dass diese am liebsten dahin steuern, wo die Kontroverse am spannendsten ist.