Live aus dem Rantgebiet

Wie man alles outsourced und trotzdem 'selbst' macht

· bRANTstifter

Wow. Es ist Dienstag und auf einmal war es da: ein mutiges, bahnbrechendes Manifest aus den Tiefen der digitalen Selbstreflexion. Wirklich selten hat jemand so konsequent nichts gesagt und es dabei geschafft, sich selbst dafür auf die Schulter zu klopfen.

Wir nehmen das mal auseinander:

Es hat lange gedauert, bis ich mich mit der KI angefreundet habe.

Ahja. Die klassische Heldenreise. Erst Skepsis, dann Akzeptanz, dann siegt doch Nutzung von exakt den zwei bekanntesten Tools, die mittlerweile wirklich jeder benutzt. ChatGPT und Gemini. Mutig. Wirklich mutig. Fast so, als hätte jemand gesagt: “Ich habe lange gebraucht, um mich mit dem Internet anzufreunden. Jetzt nutze ich Google.”

Ich nutze die KI zur Ideenfindung und zum Coden.

Ach was. Wirklich? Ideenfindung UND Coden? Krass. Also im Prinzip für alles, was schwierig ist. Das ist ja, als würde jemand sagen: “Ich benutze ein Messer zum Schneiden.”

Warum sollte ich sie nicht nutzen, wenn sie meine Arbeit noch besser macht?

Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht weil dieser Satz ungefähr die argumentative Tiefe eines Glückskekses hat. Jeder ist seines Glückes KI. Oder wie war das?

Ich möchte aber betonen, dass ich keine Beitragstexte generieren lasse.

Ahhh, da ist sie. Die moralische Reinwaschung. “Ich benutze KI für alles, aber NICHT für Texte!” Das ist wie wenn man sagt: “Ich koche komplett selbst. Aber schneiden, würzen und abschmecken macht jemand anders.”

Und dann noch dieses verzweifelte Festhalten am eigenen Schreibstil, während gleichzeitig zugegeben wird, dass man “ohne KI oft textlich aufgeschmissen” wäre. Ja, klingt absolut nach einem unverwechselbaren Stil. So unverwechselbar, dass ihn sonst keiner hat. Niemals.

Und dann war da ja noch der Teil mit dem Coding…

Ich habe die Navigation, den Slider und den Textbereich mithilfe einer KI erstellen lassen.

Also am Ende für die komplette Seite. Aber keine Sorge, denn der Blogtext ist handgeschrieben, nur die Idee dazu kommt von der KI. Prioritäten wurden auf jeden Fall gesetzt.

Mit den richtigen Prompts funktioniert es auch ganz gut.

Ach, wirklich? Man muss einem Programm sagen, was es tun soll? Kennt man vom Navi, nur dass das Programm einem dort sagt, was man tun soll.
“Bitte jetzt links abbiegen.”

Und natürlich der obligatorische Satz am Ende: “Die KI ist nicht fehlerfrei.”
Wow. Danke. Wirklich. Als Nächstes heißt es noch das Wasser nass ist.

Fassen wir zusammen:
“Ich habe KI entdeckt”
“Ich benutze KI”
“Ich rechtfertige, dass ich KI benutze”
“Ich bin trotzdem noch ich. Versprochen!”

Unterm Strich ist das ein verzweifelter Balanceakt zwischen “Ich nutze die KI für fast alles” und “Bitte denkt trotzdem, dass ich das hier alles alleine kann.”

#manifest #digitale selbstreflexion #coden #texten